Märkte unterschätzen Risiken, Zweitrundeneffekte zeichnen sich ab

Anlagepolitik, Juni 2026

 

Märkte unterschätzen Risiken, Zweitrundeneffekte zeichnen sich ab

Märkte unterschätzen Risiken, Zweitrundeneffekte zeichnen sich ab

Das Marktumfeld bleibt von geopolitischen Spannungen, höheren Inflationserwartungen und unterschiedlichen Wachstumsaussichten geprägt. Gleichzeitig scheinen die Märkte mögliche Zweitrundeneffekte der aktuellen Risiken noch zu unterschätzen. Während die USA und Teile Asiens weiterhin von starken Investitionen im Technologiesektor profitieren, wird Europa durch eine schwächere Konsumentenstimmung gebremst. Vor diesem Hintergrund halten wir an einer ausgewogenen, aber selektiven Positionierung fest.

In den USA hat der Irankrieg zu einer klaren Erhöhung der Inflation geführt, ebenso in der Eurozone, während der Inflationsanstieg in der Schweiz dank einem starken Schweizer Franken viel moderater ausgefallen ist. Interessant ist, dass die Welthandelsorganisation das Wachstum des globalen Handels 2026 nicht mehr wie 2025 bei +4,6 % zum Vorjahr sieht, sondern nur bei +1,9 %, nicht nur wegen der Sperrung der Meerenge von Hormus durch den Iran, sondern auch wegen Auswirkungen der US-Zollerhöhungen. Die US-Wirtschaft bleibt global die dynamischste Konjunktur dank den enorm ansteigenden Investitionen in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Chinas Wirtschaft profitiert ebenfalls vom Technologiesektor bei den Exporten und der Industrieproduktion, während in Europa die Konjunktur durch eine schwächere Konsumentenstimmung gebremst wird.

Währungen

Die SNB zeigt sich weiterhin bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt einzugreifen, dürfte künftig jedoch eine schrittweise Aufwertung des Frankens tolerieren. Der US-Dollar hat im Zuge der verbesserten Marktstimmung einen Teil seiner seit Ausbruch des Kriegs erzielten Gewinne wieder eingebüsst. Mehrere Stimmungsindikatoren für die Wirtschaft der Eurozone haben sich erneut verschlechtert. Nach der Erholung im April dürfte das konjunkturelle Umfeld das zusätzliche Aufwärtspotenzial des Euro vorerst begrenzen.

Obligationen

Der Krieg im Nahen Osten hat die Inflationserwartungen deutlich verändert. Für die USA wird aktuell auf Jahressicht mit einer Inflationsrate von 3,2 % gerechnet, nachdem sie davor noch bei 2,3 % lag. Auch für den Euroraum und die Schweiz wird eine steigende Inflation erwartet. Ausschlaggebend dafür ist vor allem der stark gestiegene Ölpreis. In den USA rechnet der Markt bis Ende Jahr mit unveränderten Leitzinsen. In Europa hingegen wird nach dem Sommer sogar eine Zinserhöhung durch die EZB erwartet. Vor diesem Hintergrund sind die Kapitalmarktzinsen auf beiden Seiten des Atlantiks seit Ausbruch des Konflikts über nahezu sämtliche Laufzeiten hinweg gestiegen. Die Kreditspreads haben sich insgesamt jedoch kaum bewegt, da die Unternehmen weiterhin sehr solide aufgestellt sind. Wir halten weiterhin an unserem taktischen Untergewicht bei Obligationen fest und haben die Duration weiter reduziert. Entsprechend haben wir mittlerweile eine kürzere Durationspositionierung im Vergleich zum Benchmark.

TAA Ausgewogen CHF

TAA Ausgewogen CHF

Immobilien

Indirekte Immobilienanlagen waren in den vergangenen Monaten sehr volatil, dies im Einklang mit anderen Anlageklassen. Insbesondere Ängste vor steigenden Zinsen, aber auch politische Themen (z.B. die Zuwanderungsthematik oder die Wohninitiativen in Zürich) haben für Unsicherheiten gesorgt. Aus technischer Sicht haben zahlreiche Kotierungen sowie laufende Kapitalerhöhungen für Kursdruck (grösseres Angebot, Verwässerungseffekt, Abfluss aus bestehenden Produkten, Repricing hoher Agio-Bewertungen) gesorgt. Die Kursschwäche gegenüber Schweizer Aktien dürfte aber von kurzer Natur sein und das fundamental attraktive Risiko-Rendite-Verhältnis im Vergleich zu Aktien weiterhin Bestand haben. Deshalb halten wir am leichten Übergewicht fest.

Aktien

Auf Monatsbasis legten globale Aktien, gemessen am MSCI All Country World Index, deutlich zu. Haupttreiber waren US-Aktien, die rund 62 % des Index ausmachen. Die starke Entwicklung wurde durch ausserordentlich gute Quartalsergebnisse gestützt: Das Gewinnwachstum im S&P 500 liegt bei ca. 27 % gegenüber dem Vorjahr und damit klar über den Erwartungen. Über 83 % der Unternehmen übertrafen die Gewinnschätzungen, zudem verzeichneten erstmals seit vier Jahren sämtliche Sektoren positives Gewinnwachstum. Europäische Aktien inklusive Schweizer Titel entwickelten sich dagegen leicht negativ. Die Unternehmensresultate lagen insgesamt im historischen Durchschnitt und deutlich unter dem starken US-Niveau. Auch Schwellenländer erzielten eine sehr starke Performance, insbesondere Märkte mit hoher Exponierung gegenüber KI und Halbleitern wie Südkorea und Taiwan. US-Aktien mit geringer Volatilität entwickelten sich erwartungsgemäss schwächer als der breite globale Aktienindex, profitierten aber auch vom positiven Markttrend in den USA. Wir halten an der neutralen Gewichtung von Aktien fest.

Rohstoffe

Rohstoffe entwickelten sich im vergangenen Monat weiterhin volatil. Während Edelmetalle unter steigenden Inflationserwartungen sowie höheren Zinsen litten und als einziger Sektor negativ performten, verzeichneten Industriemetalle leichte Zugewinne. Am stärksten entwickelte sich der Energiesektor, unterstützt durch die anhaltende geopolitische Pattsituation rund um den Iran. Auch Agrarrohstoffe legten zu, nicht zuletzt, weil steigende Ölpreise die Produktionskosten in der Landwirtschaft erhöhen. Mittelfristig dürften die Rohstoffpreise kaum deutlich sinken. Dennoch bleiben wir vorerst neutral positioniert, allenfalls würden wir eine Korrektur für einen möglichen Positionsausbau opportunistisch nutzen.

Privatmärkte

Privatmarktanlagen bleiben robust, insbesondere Private Credit. Institutionelle Investoren zeigen weiterhin starkes Interesse und das Fundraising liegt trotz  Unsicherheiten im Software-Sektor auf historisch hohem Niveau. Aufgrund der Verwerfungen im Private-Credit-Bereich werden attraktive Opportunitäten erwartet. Die M&A-Aktivität zeigte sich im ersten Quartal trotz geopolitischer Spannungen und makroökonomischer Unsicherheiten solide.

Digitale Vermögenswerte

Bitcoin ist nach der jüngsten Erholung erneut am gleitenden 200-Tage-Durchschnitt gescheitert. Dies deutet darauf hin, dass sich der Kryptomarkt weiterhin in einer Konsolidierungsphase befindet. Der Bereich um 80’000 US-Dollar bleibt dabei eine relevante Widerstandszone. Zwar sind derzeit keine ausgeprägten Abverkäufe zu beobachten, gleichzeitig fehlt jedoch auch bei den ETF-Zuflüssen ein klarer positiver Impuls. Vor diesem Hintergrund halten wir an unserer neutralen Gewichtung fest.

TAA Plus Ausgewogen CHF

TAA Plus Ausgewogen CHF

Strategiemodul Plus

Das Strategiemodul Plus erweitert die klassische Anlagestrategie um aufstrebende alternative Anlageklassen wie Privatmarktanlagen und Krypto-Assets. Dies verbessert das Rendite-Risiko-Profil und bietet ein einzigartiges Angebot auf dem Markt. Das Strategiemodul Plus basiert auf der strategischen und taktischen Asset-Allokation des erfahrenen Anlageausschusses, der monatlich die Finanzmärkte analysiert, Chancen identifiziert und die Allokation optimal anpasst.

Kontaktieren Sie eine Kundenberaterin oder einen Kundenberater für weitere Informationen.

Wichtige rechtliche Hinweise:

Diese Publikation dient ausschliesslich zu Informations- und Marketingzwecken und ist nicht auf die Herbeiführung eines Vertragsschlusses gerichtet, sondern enthält lediglich Markt- und Anlagekommentare von Maerki Baumann & Co. AG sowie eine Einschätzung zu ausgewählten Finanzinstrumenten. Somit stellt diese Publikation keine Anlageberatung oder individuell-konkrete Anlageempfehlung sowie kein Angebot für den Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung. Im Weiteren übernimmt Maerki Baumann & Co. AG keinerlei Haftung für den Inhalt dieses Dokuments und haftet insbesondere nicht für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, einschliesslich direkte, indirekte oder Folgeschäden, die aufgrund von in diesem Dokument enthaltenen Informationen und/oder infolge der den Finanzmärkten inhärenten Risiken entstehen können. Maerki Baumann & Co. AG ist Inhaberin der Schweizerischen Bankbewilligung, die ihr durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) erteilt wurde. 

Redaktionsschluss: 22. Mai 2026

Maerki Baumann & Co. AG
Dreikönigstrasse 6, CH-8002 Zürich
T +41 44 286 25 25, info@maerki-baumann.ch
www.maerki-baumann.ch

top